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Die Internationalisierung

Die Studie „Schlüsselfaktoren der Digitalisierung“ des Institute of Electronic Business (IEB), herausgegeben von Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer thematisiert die maßgeblichen Entwicklungen auf dem Weg in die digitale Zukunft. Vier große Bereiche spielen dabei die entscheidende Hauptrolle: Technologie, Gesellschaft & Politik, Wirtschaft & Arbeit sowie Kommunikation. Aus dem letzteren Bereich stammt der Schlüsselfaktor Internationalisierung, den wir Ihnen heute vorstellen möchten. Laut Aussage der oben genannten Studie ist die Möglichkeit digitale Technologien nicht nur als Empfangs- ,sondern auch als Sendemedien zu nutzen, das eigentliche, besondere Merkmal der Digitalen Kommunikation. Internationalisierung ist neben Medienkonvergenz, Digitalem Ich, Interaktivität & Partizipation, Always on und Digitale Assistenten & „Künstliche Intelligenz“ einer der sechs Schlüsselfaktoren der Digitalen Kommunikation.

Die Welt rückt enger zusammen

In Zusammenarbeit mit dem Rat der Internetweisen trifft das IEB folgende Aussage zum Schlüsselfaktor Internationalisierung: „Digitale Technologien ermöglichen Kommunikation weltweit – ob in Social Media, Arbeitswelt oder E-Commerce. Sobald ein Angebot im globalen Netz auffindbar ist, erwarten Konsumenten dessen Verfügbarkeit, die nur über flexible und dynamische IT- und Logistik-Allianzen geleistet werden kann. Konferenzsysteme, (kostenlose) Online-Übersetzungsdienste und simultane Übersetzung fördern diesen Faktor weiterhin. Kulturelle Unterschiede schlagen sich nieder in „Parallelsystemen“ von Social Media oder Plattformen.“

Neue Dienstleistungen entstehen

Wo Firmen international agieren, müssen kulturelle und sprachliche Hürden überwunden werden. Übernahmen in der Vergangenheit Sprachexperten und Dolmetscher die Aufgabe der Übersetzung von Texten oder Reden, so ermöglicht Künstliche Intelligenz heute ganz neuartige Computerprogramme, die in kürzester Zeit auch die komplexesten Texte von der einen in die andere Sprache übersetzen. Ob es sich um Quartalsberichte, technische Dokumentationen, Texte für das Marketing oder um eine firmeninterne Datenbank handelt, auf die Mitarbeiter weltweit zugreifen können, um sich für die Arbeitsprozesse relevante Begriffe samt Definitionen in ihrer Sprache anzeigen zu lassen, technisch ist mittlerweile alles möglich. Die Deutungshoheit allerdings obliegt nach wie vor dem Menschen, den Künstliche Intelligenz vermag zwar Texte zu übersetzen, erfasst jedoch nicht die emotionale Tonalität des Textes wie Ironie oder Sarkasmus. Die Übersetzungsbranche wird daher nicht aussterben, jedoch wandeln sich mit der Internationalisierung ihre Aufgaben.

Internationalisierung in der Bildung

Auch für die Lehre an Hochschulen entstehen ganz neue Möglichkeiten. Digitale Bildungsangebote ermöglichen es Studierenden sich auch von ihrem Heimatland aus international fort- oder weiterzubilden. Umgekehrt können Hochschulen ihr Angebot auf eine große Zahl internationaler Studierender ausweiten. Auch die internationale Zusammenarbeit im Hochschulbereich profitiert von der Digitalisierung und nicht zuletzt können die Hochschulen Trendsetter sein in Sachen Digitale Lernformate. Die Arbeitswelt der Zukunft baut auf neuartige flache Arbeitsstrukturen wie Team- oder Projektstrukturen und benötigt Arbeitnehmer, für die eine global vernetzte Zusammenarbeit kein Fremdwort ist. So wurde im Positionspapier „Bologna Digital“ der Bologna-Ministerkonferenz in 2018 herausgestellt, dass der digitale Wandel für die Hochschulen als ein wirksames Mittel zu betrachten sei um die zentralen Herausforderungen für die Hochschulbildung im 21. Jahrhundert zu bewältigen (Quelle: https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/bologna-digital-positionspapier-europaeischer-hochschulraum).

Internationalisierung meets kulturelle Eigenarten der Nationen

In jedem Land dieser Erde trifft man auf kulturell bedingte Eigenarten, welche die Sichtweise auf einen an sich neutralen Sachverhalt deutlich beeinflussen. Ein Vergleich zwischen China und Deutschland beispielsweise zeigt, dass die Deutschen als Autonation dem autonomen Fahren skeptisch gegenüber stehen, während die Chinesen keine Scheu vor selbstfahrenden Autos haben. Dies sicherlich auch deshalb, weil das Auto in China ein relativ junges Gut ist und längst nicht jeder dort einen Führerschein hat. Ginge es um die ethische Entscheidung, ob ein selbstfahrender PKW aufgrund seiner Programmierung eher eine ältere Frau oder ein Kind überfahren würde, so bliebe in Deutschland das Kind am Leben, in China, wo man großen Respekt vor dem Alter hat jedoch die alte Dame. Beim Bezahlen ist es ähnlich: In China bezahlt jeder mit Karte, selbst Bettler hoffen auf Spenden per QR-Code. In Deutschland hingegen ist Bargeld hoch angesehen, die meisten verbinden damit mehr Sicherheit und Kontrolle (Quelle: https://www.inform-software.de/blog/post/die-interkulturellen-unterschiede-in-der-digitalisierung-sind-wir-deutschen-wirklich-so-digitalisiert-wie-wir-denken). Geht es um Werbung, so hat Ikea jüngst in seinem Katalog für Saudi-Arabien die Frauen heraus retuschiert, um den kulturellen Gepflogenheiten des Landes Rechnung zu tragen. Der Grundsatz gilt auch für das Marketing: Was in dem einen Land alltäglicher Usus ist, ist in dem anderen Land möglicherweise verpönt.

Ausblick

Die Digitalisierung lässt die Menschen näher zusammenrücken, kann und darf aber nicht um jeden Preis alle über einen Kamm scheren, sondern es gilt Rücksicht zu nehmen auf kulturelle, religiöse und letztlich auch politische Gepflogenheiten der einzelnen Nationen. Sie kann jedoch dazu beitragen, dass Vorurteile fallen, da durch die Internationalisierung die Welt ein Stück weit transparenter wird. Interkulturelle Kompetenz ist dabei das Zauberwort. Mithilfe von Übersetzungsprogrammen können sprachliche Barrieren überwunden werden, dies ist insbesondere für die Arbeitswelt ein Riesenvorteil. Kulturgut, bis dato in Museen verborgen, wird durch die Digitalisierung „vergesellschaftet“ und für jedermann sichtbar. Der Trend geht sicherlich langfristig in die Richtung, Prozesse zu vereinheitlichen, die Gefahr dabei ist, dass die Welt dadurch an Farbe verliert. Und wer schätzte nicht die Exotik ferner Länder und die Möglichkeit, die Sichtweisen der Menschen in anderen Ländern kennenzulernen und so den eigenen Horizont zu erweitern. Die Welt verlöre an Attraktivität, wenn am Ende alle Menschen gleich wären.

Chancen:

Menschen wird es leichter gemacht, sich in ihnen fremden Ländern zurechtzufinden; Unternehmen erhalten einfacher Zutritt zu fremden Märkten und Arbeitskräften.

Herausforderungen:

Nicht alle Inhalte und Anwendungen finden in jedem kulturellen Kontext den gleichen Zuspruch: die rein sprachliche Anpassung ist meist nur der erste Schritt – weitere kulturelle Faktoren sind ebenso zu berücksichtigen.

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