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Always on

Die Digitalisierung hat längst alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst und macht auch vor dem Privatleben der Menschen nicht Halt. In Gestalt internetfähiger Smartphones, Tablets, Wearables oder anderer Devices mit mobilem Internetzugang hält sie Einzug auch in die intimsten Winkel unseres Lebens und ermöglicht uns grenzenlose Teilhabe am World Wide Web. Dieser scheinbare Vorzug entpuppt sich zugleich auch als großer Nachteil, denn ja: Wir können uns jederzeit Informationen beschaffen, rund um die Welt über die Sozialen Netzwerke mit unseren Freunden kommunizieren, wir können uns dank der digitalen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten unsere Arbeitszeit flexibler einteilen, im Zug auf dem Weg zur Arbeit Bücher oder Dokumente auf dem Display unseres Smartphones oder Tablets lesen, aber der Preis dafür ist hoch, wir sind Always on.

Mediennutzungsgewohnheiten verändern sich

Nicht umsonst ist daher der Begriff Always on einer der Schlüsselfaktoren der Digitalisierung, welche durch eine Studie des Institute of Electronic Business e. V. (IEB) identifiziert wurden. Diese Studie wurde herausgegeben von Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer mit dem Ziel die Entwicklungen auf dem Weg in die digitale Zukunft anhand eben dieser Schlüsselfaktoren zu verdeutlichen. Im Rahmen dieser Studie hat ein eigens einberufenes Expertengremium, der Rat der Internetweisen folgende Aussage getroffen:

„Verfügbarkeit digitaler Dienste, vor allem der mobilen Endgeräte wie Smartphones, Tablets und Wearable Electronics sowie digitaler Schaufenster, Smart Cars etc. kennt kaum noch räumliche und zeitliche Grenzen. Mediennutzungsgewohnheiten verändern sich: Immer mehr Nutzer sind immer und überall erreichbar und ständig zur Kommunikation bereit.“

Ständige Erreichbarkeit – die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben verschwimmen

Tatsächlich heben sich die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben sukzessive auf. Eine Umfrage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus 2015 förderte zutage, dass 22 % der befragten Beschäftigten auch nach Feierabend für berufliche Angelegenheiten erreichbar sein müssten (Quelle: https://www.impulse.de/management/personalfuehrung/staendige-erreichbarkeit/7305028.html#). Im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekts MASTER – Management ständiger Erreichbarkeit stellte sich heraus, dass ungefähr ein Drittel der abhängig Beschäftigten in der BRD von der Tatsache betroffen ist, dass die Grenzen zwischen Arbeitsleben und Privatleben zunehmend durchlässiger werden. Werden die Arbeitnehmer in ihrem privaten Lebensbereich bspw. mit arbeitsbezogenen Telefonaten konfrontiert, spricht man von der sogenannten „arbeitsbezogenen erweiterten Erreichbarkeit“. Wenn Letztere einen stark erhöhten Zeitaufwand während der Freizeit mit sich bringt, so kann dies bei Überlastung negative gesundheitliche Folgen nach sich ziehen (Quelle: http://www.erreichbarkeit.eu/images/Ergebnisbroschuere_250817.pdf). Zugleich gibt es neben diesen Anforderungen von außen aber auch ein „aktives Sich-Verfügbar-Machen“ bzw. ein „eigenaktives sich-erreichbar-Halten“, also eine innere Bereitschaft jedes Einzelnen möglichst jederzeit erreichbar zu sein.  (Quelle: http://www.erreichbarkeit.eu/images/Ergebnisbroschuere_250817.pdf)

Digitaler Arbeitsplatz Auto

Auch unser Automobil wird zunehmend zum Bestandteil einer intelligent vernetzten Welt. Die Konnektivität von Smartphone und Fahrzeug macht die unglaublichsten Dinge möglich. Wie hoch ist der aktuelle Reifendruck, wie viel Benzin ist noch im Tank, die App in unserem Smartphone klärt uns auf. Ferngesteuertes Parken? Kein Problem mit der Remote-Park-Assistant Technologie. Mobiles Büro? Heute schon fast eine Selbstverständlichkeit. Bestimmte Office-Funktionen stehen auch im Auto zur Verfügung, das Navigationssystem kooperiert mit den Kalendereinträgen und Telefonkonferenzen aus dem Auto heraus sind jederzeit möglich.

Ausblick

Wie wünschen wir uns die Arbeitswelt von morgen? Viele Arbeitnehmer träumen von der Möglichkeit, selbst über die Einteilung ihrer Arbeitszeit zu bestimmen. Dies wird angesichts der modernen Kommunikationsmöglichkeiten in der digitalen Arbeitswelt auch immer selbstverständlicher möglich. Auch für die Unternehmen bietet die Digitalisierung in der Kommunikation weitreichende Vorteile wie mehr Flexibilität und höhere Produktivitätsgewinne, können sie doch den Arbeitnehmer in dringenden Situationen auch außerhalb seiner Arbeitszeit erreichen. Wenn Privat- und Berufsleben immer stärker ineinandergreifen, so gewinnt es für die Unternehmen zunehmend an Bedeutung, das Phänomen der ständigen Erreichbarkeit mit den richtigen Instrumenten zu managen. Dies ist nicht zuletzt eine der Aufgaben eines funktionierenden betrieblichen Arbeitsschutzes und der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Die digitalen Medien machen uns vieles leichter, wie etwa die Navigation im Straßenverkehr, aber sie verführen auf der anderen Seite zum Surfen, kosten Zeit und fressen Energie. Viele Menschen setzen sich selbst unter Druck, wollen ständig erreichbar zu sein bzw. checken ständig ihr Smartphone aus der Angst heraus etwas Wichtiges zu verpassen. Daher ist es auch Aufgabe jedes Einzelnen diesem „digitalen Stress“ im Sinne einer positiven Work-Life-Balance mit einem ausgewogenen Nutzerverhalten zu begegnen. Eine der Folgen der Digitalisierung könnte darin bestehen, dass die Menschen in Zukunft ihr Privatleben zunehmend auf dem Altar der Digitalisierung zum Opfer bringen werden. Der Mensch der Zukunft ist ein öffentlicher Mensch, die Intimsphäre, der geschützte Raum des Privaten wird immer kleiner.

Die Chancen und Herausforderungen des Schlüsselfaktors Always on auf einen Blick:

Chancen

Nutzer erhalten bessere Möglichkeiten, sich ohne langfristige Vorbereitungen auf (ungeplante) Situationen und Ereignisse einzustellen (z. B. Routenplanung).

Herausforderungen

Ständige Erreichbarkeit kann sich zum Fluch entwickeln: wenn Menschen schlecht schlafen, weil sie befürchten, wichtige Nachrichten zu verpassen oder wenn Vorgesetzte von ihren Mitarbeitern ständige Einsatzbereitschaft fordern.

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