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Fachkräftemangel und digitaler Fortschritt

Im Kontext der Digitalisierung ist Fachkräftemangel mittlerweile einer der wesentlichen Gründe, warum Unternehmen den Einsatz neuer Technologien scheuen. Im Rahmen einer Studie des Digitalverbandes bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V.) aus dem Jahr 2018 sahen 42 % der befragten Unternehmen den Fachkräftemangel neben den verschärften Datenschutzbestimmungen (63 %) als Hauptgrund für den zögerlichen Einsatz neuer Technologien wie Big Data oder Robotik an (Quelle: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/cebit/cebit-2018-fachkraeftemangel-ist-groesste-huerde-der-digitalisierung-15633866.html). Was genau versteht man unter dem Begriff der Fachkraft? Fachkräfte sind laut Wikipedia alle jene Personen, welche eine gewerbliche, kaufmännische oder sonstige Berufsausbildung erfolgreich absolviert haben. Fachkräftemangel wird definiert als das unerwünschte Fehlen von Facharbeitern, Gesellen, Meistern, Technikern und Akademikern bestimmter Fachrichtungen auf dem Arbeitsmarkt.

Der Fachkräftemangel ist längst Realität

„Der lange beschworene Fachkräftemangel ist im Zuge des demografischen Wandels und veränderter Anforderungen in Teilen des Arbeitsmarktes längst Realität. Unternehmen sind hier gefragt, selbst die Initiative zu ergreifen: Sie müssen für attraktive und sinnvolle Arbeit sorgen, um die besten Leute zu binden – bspw. indem sie ihre Mitarbeiter „arbeitsfähig“ halten (durch effektive Weiterbildung) und sich gleichzeitig mit den Bedürfnissen des Nachwuchses (Digital Natives) auseinandersetzen.“ So hat das Institute of Electronic Business e. V. (IEB), ein An-Institut der Universität der Künste Berlin in Zusammenarbeit mit einem Expertengremium, dem sogenannten Rat der Internetweisen, die Problematik rund um den viel zitierten Fachkräftemangel beschrieben.

Wo wird der Fachkräftemangel am deutlichsten spürbar sein?

Die Zahl der angebotenen Arbeitsplätze wird bspw. im Bereich der Logistik bis 2020 kontinuierlich ansteigen. Eine weltweite Untersuchung hat jedoch gezeigt, dass die Nachfrage nach Logistik-Fachkräften das Angebot verfügbarer qualifizierter Fachkräfte mindestens um das Sechsfache übersteigen wird (Quelle:  https://www.aeb.com/intl-de/magazin/digitalisierung-verstaerkt-fachkraeftemangel-im-supply-chain-management.php?l=de) Warum es in der Supply-Chain-Branche an geeigneten Nachwuchskräften fehlt? Ein Grund hierfür ist das durchaus verbesserungswürdige Image von Berufen in der Logistik- Branche. Weitere Gründe sind wenig attraktive Gehälter, eine alternde Belegschaft, fehlende Skills der Nachwuchskräfte im operativen, also technischen Bereich als auch mangelnde analytische oder strategische Fähigkeiten bzw. Führungskompetenzen. Ähnliches gilt auch für andere Berufsgruppen wie IT-Spezialisten, Mechatroniker, Softwareentwickler, Energietechniker oder Pflegefachkräfte. Seitens der Unternehmen wird es daher immer wichtiger, langfristige Strategien zur Mitarbeiterbindung und -entwicklung sowie der Anwerbung von Fachkräften aus dem In- und Ausland vorzuhalten. Auch die Politik ist angesichts des grassierenden Fachkräftemangels gefordert, eine entsprechende Fachkräftestrategie zu entwickeln.

Fachkräftemangel und Digitalisierung bei mittelständischen Unternehmen

Der Mittelstand bildet unbestritten das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Aber gerade der Mittelstand sieht sich großen Hemmnissen ausgesetzt, wenn es um die Digitalisierung geht. Eine repräsentative Befragung von 2000 mittelständischen Unternehmen aus dem Jahr 2018 – in Auftrag gegeben von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft  Ernst & Young – förderte zutage, dass jedes fünfte mittelständische Unternehmen über fehlendes Personal klagt. 15 % der Unternehmen klagen über fehlendes Know-how und 13 % über begrenzte finanzielle Möglichkeiten. Obwohl ein Drittel der Unternehmen bereits einen Chief Digital Officer in der Geschäftsführung etabliert hat, um den digitalen Wandel im Unternehmen voranzutreiben, hängt es doch vielerorts an den fehlenden Fachkräften oder dem fehlenden Kapital. Gerade die umsatzschwächeren Unternehmen müssen befürchten, von den Segnungen der Digitalisierung abgehängt zu werden, es ist gar von einer digitalen Zweiklassengesellschaft die Rede (Quelle: https://www.ey.com/de/de/newsroom/news-releases/ey-20180318-fachkraeftemangel-bremst-digitalisierung-im-mittelstand-aus).

Fachkräftemangel und moderne Personalstrategie

Wenn Personalmangel einer der Hauptgründe für fehlende oder zögerliche Investitionen in digitale Technologien ist, dann gilt es, über neue Strategien zur Fachkräftegewinnung nachzudenken. Hier spielt auch der Zeitfaktor eine große Rolle. Da es oft mehr Stellen als Bewerber gibt, sollten Unternehmen auf HR-Software setzen, also effizient arbeitende Bewerbermanagement-Software, um den Bewerbungsprozess zu verkürzen. Eine von bitkom research durchgeführte Studie zeigt auf, dass der Einsatz einer solchen Software sich am Ende auszahlt: Unternehmen, die Software im HR-Bereich einsetzen, stellen deutlich mehr Leute ein als „analog“ arbeitende Personalabteilungen (Quelle: https://www.bitkom-research.de/Presse/Pressearchiv-2018/Digitale-Personalabteilungen-bestehen-im-Fachkraeftemangel). Aber die Firmen können noch mehr tun: Talent Pools aufbauen, also Datenbanken, in denen Profile von Talenten gespeichert werden, auf die bei Bedarf zurückgegriffen werden kann. Es sollten Personalentwicklungspläne erstellt werden und die Firmen sollten alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen, um die Mitarbeiterentwicklung zu fördern. Sie können darüber hinaus auf Inhouse Schulungen setzen oder die Expertise externer Agenturen nutzen. Internationale Mitarbeitertransfers sind eine weitere Möglichkeit, genauso wie das Erstellen von Karriereplänen zur Kandidatengewinnung. Last, not least sollten Unternehmen ihre Attraktivität als Arbeitgeber und ggfls. als Ausbildungsbetrieb steigern.

Ausblick:

Der viel zitierte Fachkräftemangel ist in der Arbeitswelt längst angekommen und viele Firmen, insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen, leiden unter seinen Folgen. Sie können die notwendigen Schritte zur Digitalisierung der Unternehmensprozesse nicht so umsetzen, wie es nötig wäre, um mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Die Digitalisierung bzw. Automatisierung und die Tatsache, dass immer mehr Menschen mit wertvollem Know-how in Rente gehen, werden auf dem Arbeitsmarkt für Unruhe sorgen. Viele Jobs fallen weg, neue Jobs entstehen. Dienstleistungen machen vor Landesgrenzen nicht länger Halt. Für fast alle Unternehmen ist es von überragender Bedeutung, Prozesse wie z. B. den Vertrieb zu digitalisieren, um wettbewerbsfähig zu sein. Fachkräfte mit Weitblick, analytischen und strategischen, aber auch versierten technischen Fähigkeiten werden dringend gebraucht, um die digitale Transformation in den Unternehmen voranzutreiben.  Daher gilt es für die Unternehmen Nachwuchskräfte zu schulen und zu fördern, mit einer attraktiven Arbeitgebermarke zu werben, maßgeschneiderte Angebote für Fachkräfte vorzuhalten, kurz mit geeigneten Personalstrategien Fachkräfte zu finden und zu binden. Aber auch die Politik ist gefragt: Der demografische Wandel bringt es mit sich, dass auch die Fachkräftezuwanderung kein Fremdwort sein darf. Das neue Fachkräftezuwanderungsgesetz soll dies regeln. Es braucht langfristige und nachhaltige Strategien und Förderprogramme auch seitens der Politik, damit Deutschlands Wirtschaft nicht über kurz oder lang abgehängt wird vom internationalen Wettbewerb.

Die Chancen und Herausforderungen des Schlüsselfaktors Fachkräftemangel auf einen Blick:

Chancen

Unternehmen stehen bspw. durch (nicht nur) digitale Formen der Aus- und Weiterbildung heute viele Möglichkeiten zur Verfügung, dem Fachkräftemangel eigenständig entgegenzuwirken.

Herausforderungen

Viele Fähigkeiten und Kenntnisse lassen sich nicht ohne weiteres kurzfristig direkt „nachschulen“.

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