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Schlüsselfaktor der Digitalisierung: Soziale Ungleichheit

Die Digitalisierung lässt keinen Stein auf dem anderen stehen. Fast täglich hören wir neue Hiobsbotschaften. Die Digitalisierung frisst Arbeitsplätze, sie führt zu einer ungerechten Verteilung von Wohlstandszuwächsen zugunsten derer, die moderne Technologien wie Roboter einsetzen. Es kommt zu einer Umverteilung der Arbeitsplätze zugunsten hoch qualifizierter Arbeitskräfte, es werden in Zukunft immer mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse wegfallen, die Aufgaben werden dann von Freiberuflern erledigt und vieles mehr. Wie berechtigt sind diese Ängste und gibt es vielleicht auch positive Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt?

Schlüsselfaktoren der Digitalisierung

Die Folgen der Digitalisierung betreffen die Bereiche Technologie, Kommunikation, Wirtschaft & Arbeit sowie Gesellschaft & Politik gleichermaßen, wie eine Studie des Institute of Electronic Business (IEB) herausgefunden hat. Die Studie beschreibt weiter die 32 Schlüsselfaktoren der Digitalisierung, welche diesen Bereichen jeweils zugeordnet werden können. In Kooperation mit einem eigens einberufenen Rat der Internetweisen hat das IEB jeden einzelnen Schlüsselfaktor charakterisiert. Unser heutiger Schlüsselfaktor Soziale Ungleichheit kommt aus dem Bereich Gesellschaft & Politik. Gesellschaft und Politik werden von der Digitalisierung und ihren Auswirkungen zunehmend beeinflusst und üben auch ihrerseits Einfluss aus, so steht es in der Studie nachzulesen.

Bildung als Rettungsanker

Soziale Ungleichheit hat viele Ursachen. Der Rat der Internetweisen konstatiert im Rahmen der Studie des IEB: „Soziale Ungleichheit beschreibt die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten zu gesellschaftlichen Ressourcen. Besonders der mangelnde Zugang zu finanziellen Mitteln und Bildung erschwert die Nutzung digitaler Medienangebote und die Ausbildung von Medienkompetenz.“ Tatsächlich stochern beim Thema Arbeitsmarkt der Zukunft viele im Nebel. Pessimisten skizzieren eine Zukunft, in welcher jeder zweite Arbeitsplatz wegfallen wird, Optimisten hingegen propagieren, dass zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen werden. Das Weltwirtschaftsforum stellt in einem Bericht  aus dem Jahr 2018 die Prognose auf, dass im Jahr 2025 mehr Arbeiten durch Maschinen erledigt werden als durch Menschen und das bereits bis zum Jahr 2022 etwa 133 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen, dafür allerdings auch 75 Millionen Arbeitsplätze wegfallen werden. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass ca. 54 % aller Unternehmen die Wachstumschancen der Industrie 4.0 nur dann ausschöpfen können, wenn sie ausreichende Umschulungs- und Fortbildungsmaßnahmen für ihre Mitarbeiter anbieten.

Welche Jobs fallen weg?

Durch die Automatisierung und damit verbunden dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), Algorithmen, Industrierobotern u. ä. werden viele Arbeitsplätze wegfallen. Eigentlich könnte dies auch ein Gewinn sein, denn Routinearbeiten entfallen und Menschen können andere, spannendere Aufgaben übernehmen. Allerdings kann KI noch mehr: Auch komplexere Aufgaben könnten von Computern übernommen werden, sodass auch Berufe, die einen akademischen Abschluss voraussetzen, gefährdet sein können.

Es gibt Berufssparten die eine besonders hohe Automatisierungswahrscheinlichkeit aufweisen. Dies betrifft insbesondere fertigungstechnische Berufe. Im Folgenden einige Beispiele für Berufe mit hohem Substituierbarkeitspotenzial: Bergleute mit ca. 84 %, Bäcker mit ca. 75 %, Bürohilfsberufe mit 55 %, Berufe im Fahr- und Flugzeugbau sowie Wartungsberufe mit ca. 67 %, Elektroberufe mit ca. 60 %,  Bank- und Versicherungsfachleute mit ca. 40 %  usw. Aber auch administrative und organisatorische Aufgaben im Bereich Geschäftsführung oder analytische Aufgaben wie im höheren Management oder im Beratungsbereich könnten immerhin zu ca. 29 % durch Computer ersetzt werden (Quelle: https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/studie-digitalisierung-und-arbeitsplaetze-welche-jobs-betroffen-sind/12724850-2.html). Wo motorische Fähigkeiten immer weniger gebraucht werden, gilt es die  analytischen und intellektuellen Fähigkeiten der Arbeitnehmer zu stärken, denn die Arbeitsplätze der Zukunft beinhalten zum Teil die Überwachung der Maschinen.

Was können Regierungen tun?

Kein Zweifel, der Arbeitsmarkt unterliegt einem radikalen Wandel. Hier ist ein großer, politischer Gegenentwurf gefragt. Wie dem Wandel begegnen? Es gibt viele Ideen hierzu und gute Beispiele aus anderen Ländern der Welt. Die Rede ist häufig vom bedingungslosen Grundeinkommen, also ein Einkommen, das jedem zur Existenzsicherung gewährt wird, ohne dass er dafür arbeiten oder andere Gegenleistungen erbringen müsste. Dafür entfallen staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld. Spannend ist auch die Vorgehensweise des US-Bundesstaates Alaska. Dort gründete man einen Sozialfond, dessen Ausschüttungen jedem einzelnen Bürger zugutekommen. Während die Grundlage des Fonds in Alaska die reichen Ölvorkommen des Landes sind, müsste in Deutschland über andere Finanzierungsquellen, z. B. eine Digitalsteuer oder Robotersteuer, nachgedacht werden. Auch könnte in Unternehmen investiert werden, die auf der Gewinnerseite der Digitalisierung stehen. Grundsätzlich gilt: Der strukturelle Wandel auf dem Arbeitsmarkt verlangt nach weitreichenden gesellschaftspolitischen Änderungen und darin kann auch eine große Chance liegen.

Ausblick:

Die Digitalisierung ist für viele ein Schreckgespenst, welches die Angst vor Arbeitsplatzverlust schürt. Die Menschen fürchten den sozialen Abstieg und den Politikern fehlen die Argumente, diese Ängste zu mindern. Fast hat man den Eindruck, dass die Digitalisierung in einer solch rasenden Geschwindigkeit zu Veränderungen führt, dass die Politik längst nicht mehr Schritt halten kann. Dabei könnte die Digitalisierung einen uralten Menschheitstraum wahr werden lassen: Maschinen arbeiten für Menschen und die Menschen gewinnen dadurch Zeit und können sich anderen Lebensaufgaben stellen. Wahrscheinlicher aber ist folgendes Szenario: Diejenigen, die rechtzeitig in KI, Algorithmen und intelligente Maschinen investiert haben, sind die Gewinner der Digitalisierung. Der Anteil der Arbeitseinkommen am Nationaleinkommen in Deutschland fällt kontinuierlich, während der Anteil der Kapitaleinkommen steigt (Quelle: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/digitalisierung-arbeitsplaetze-loehne-1.4255178). Dies lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass Kapitaleinkommen künftig stärker besteuert werden müssten. Welcher Weg auch immer beschritten werden soll: Aktuell braucht es Vordenker, die sich an neue und konstruktivere Entwürfe für eine Welt 4.0 wagen, denn mit den alten Denkschablonen werden wir den Herausforderungen der Digitalisierung nicht begegnen können.

Chancen und Herausforderungen des Schlüsselfaktors Soziale Ungleichheit auf einen Blick:

Chancen: Von niedrigen Preisen für digitale Endgeräte und Verbindungskosten über kostenlose Bildungsangebote zu neuen Wirtschaftsmodellen (Umverteilung) bietet die Digitalisierung theoretisch das Potenzial, die soziale Ungleichheit zu minimieren.

Herausforderungen: Der digitale Wandel ist längst nicht abgeschlossen – und wird weitere Wellen nach sich ziehen. Ganze Berufszweige drohen überflüssig zu werden, ohne dass Klarheit herrschen würde, ob in ähnlichem Maße neue Berufe entstehen oder durch die Digitalisierung ermöglichte Einsparungen und Gewinne der Gesellschaft als Ganzes zugutekommen werden.

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