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Schlüsselfaktor Ethik

Virtuelle Menschen in virtuellen Räumen

Die Digitale Transformation legt ein atemberaubendes Tempo vor und stellt nicht nur alle bisherigen Wirtschaftsprozesse auf den Kopf, sondern verändert auch in nie gekannter Weise das gesellschaftliche Miteinander. Durch das World Wide Web rücken wir Menschen enger zusammen, wir kommunizieren via Internet und Social Media mit Freunden – aber auch mit Unbekannten – auf der anderen Seite dieser Erde. Doch zugleich legen wir auch immer mehr Distanz zwischen uns: In den Sozialen Medien erschaffen wir künstliche Bilder von uns, die oft mit der Realität nicht mehr viel gemein haben. Wir werden zu virtuellen Menschen im virtuellen Raum, die in virtuellen Shops einkaufen und viele von uns machen sich mehr und mehr abhängig von einem „Gefällt mir“ der anderen. Wohin führt uns diese Entwicklung im gesellschaftlichen Bereich?

Der Schlüsselfaktor „Ethik / Kultur“

Der Rat der Internetweisen, ein Expertengremium in Sachen Digitalisierung, hat im Zusammenspiel mit dem Institute of Electronic Business (IEB), einem An-Institut der Universität der Künste Berlin, 32 Schlüsselfaktoren identifiziert, die als Treiber der Digitalen Transformation gelten können, acht davon allein im Bereich Gesellschaft & Politik. Neben Ethik / Kultur sind dies die Schlüsselfaktoren Demographischer Wandel, Interaktivität & Partizipation, Health & Environment, Staatliche Regulierung, Sicherheit & Privatsphäre, Vernetzung und soziale Ungleichheit, zwischen denen ohne Frage starke Interdependenzen bestehen. Den Schlüsselfaktor Ethik / Kultur beschreibt der Rat der Internetweisen wie folgt: „Insbesondere durch die starke Entwicklung des Social-Media-Kommunikationsverhaltens zeigen sich neue soziale Phänomene. Digitale Technologien verändern die Art und Weise, wie Menschen denken, fühlen und handeln – und miteinander umgehen. Auch auf die nicht-digitale Welt wirken sich diese Änderungen aus.“

Ethik – ein Teilbereich der Philosophie

Was genau versteht man unter Ethik? In Wikipedia lesen wir dazu: „Die Ethik ist jener Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen und der Bewertung menschlichen Handelns befasst. Im Zentrum der Ethik steht das spezifisch moralische Handeln, insbesondere hinsichtlich seiner Begründbarkeit und Reflexion.“ Was aber würde geschehen, wenn unsere Entscheidungen und unser Handeln künftig auf der Grundlage erhobener Daten basierten und sozusagen vom geltenden gesellschaftlichen Wertekodex entkoppelt würden? Wer entscheidet, welche Daten ausgewählt werden und warum? Werden kritische oder unpopuläre Entscheidungen in der Zukunft mit der Begründung gefällt werden, die Auswertung der Daten hätte keine andere Wahl gelassen? Werden vielleicht eines Tages automatisierte, datengetriebene Entscheidungen gefällt werden, ohne jede kontrollierende Einflussnahme des Menschen? Die Digitalisierung schreitet so rasch voran, dass nicht einmal ihr „philosophisch-ethisches Back-up“ mehr mit diesem Tempo Schritt halten kann.

Brauchen wir eine Ethik der Digitalisierung?

Ethisch begründete gesellschaftliche „Dogmen“ und Verhaltensweisen sind ja nicht in Stein gemeißelt, sondern dem Wandel ebenso unterlegen, wie es unsere Lebensbedingungen sind, denken wir dabei z. B. an die industrielle Revolution, ausgelöst durch die Erfindung der Dampfmaschine. Neue Arbeitswelten entstanden und erforderten erhebliche gesellschaftliche Umwälzungen bis hin zur Schaffung des Sozialstaates, wie wir ihn heute kennen. Vor dem gleichen Phänomen stehen wir heute wieder. Die digitale Transformation verändert unsere Arbeitswelt und beeinflusst darüber hinaus unsere Art zu kommunizieren. Verstanden wir uns noch gestern als „selbstbestimmte“ Subjekte mit hinreichender Privatsphäre, so sind wir heute „vernetzte“ Subjekte im Internet of Everything und erleben den sukzessiven Verlust des Privaten.  Angesichts der Möglichkeiten von Social Media, die von Beeinflussung politischer Ereignisse bis hin zu Hate Speeches und Cybermobbing reichen, gilt es zu klären, wie wir mit dem daraus resultierenden drohenden Werteverfall umgehen wollen. Politisch gesehen machen derartige Fragen aufgrund des die Welt umspannenden „World Wide Web“ nicht länger vor Landesgrenzen Halt und erfordern sozusagen „universelle“ Antworten.

Ausblick

Auch für Unternehmen ergeben sich hinsichtlich der Digitalisierung ethische Anforderungen, die das Institut für Digitale Ethik an der Hochschule der Medien in Stuttgart in einem Leitfaden zusammengefasst hat:

Datenökologische Verantwortung
1. Die Privatsphäre soll geschützt werden.
2. Smart-Data-Ansätze sollen als Vorbild dienen.
3. Die Sicherheit und Qualität der Daten sollen gewährleistet sein.

Faires & gerechtes Arbeiten 4.0
4. Es sollen faire und gerechte Arbeitsbedingungen gelten.
5. Mitarbeiter sollen am Digitalisierungsprozess des Unternehmens teilhaben.
6. Die Aus- und Weiterbildung sowie die digitalen Kompetenzen der Mitarbeiter sollen gefördert werden.

Chancengerechtigkeit & Fürsorge
7. Chancengerechtigkeit soll gefördert und Diskriminierung vermieden werden.
8. Auf schutzbedürftige Personen soll besonders Rücksicht genommen werden.

Folgenabschätzung & Nachhaltigkeit
9. Künstliche Intelligenz soll werteorientiert gestaltet werden.
10. Die Digitalisierung soll dazu dienen, natürliche Ressourcen zu schonen.

(Quelle: https://www.digitale-ethik.de/digitalkompetenz/10-ethische-unternehmensleitlinien/)

Diese Richtlinien können regeln wie Unternehmen mit den medialen und digitalen Herausforderungen der Industrie 4.0 umgehen sollen. Ein anderer Adressat für die Gestaltung einer digitalen Ethik ist die Politik, aber auch die Universitäten. Hier muss mit Hochdruck an einem Verhaltenskodex im Umgang mit allen ethischen Fragestellungen gearbeitet werden, wie z. B. dem Umgang mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Im Bildungsbereich ist es unerlässlich, dass mit pädagogischen Ansätzen wie der Schulung von Medien- und Sozialkompetenzen und dem Angebot von Hilfestrukturen bspw. in Form von Beratungsstellen dem Missbrauch der sozialen Netzwerke für Wut- und Hassattacken entgegengewirkt wird.

Die Chancen und Herausforderungen des Schlüsselfaktors Ethik / Kultur auf einen Blick:

Chancen

Die Möglichkeit, anonym und mit Unbekannten kommunizieren zu können ist ein hohes Gut: Neue Verhaltensregeln bilden sich erst nach und nach heraus, erschwert durch laufend neue Entwicklungen.

Herausforderungen

Sein Gegenüber nicht zu sehen und nicht zu kennen, kann die Hemmschwelle in der Kommunikation senken: bisweilen wird der Umgangston sehr rau (Stichwort Hassrede).

Ja, die digitale Transformation ist eine große Herausforderung – insbesondere für Unternehmen und Organisationen, die „das schon immer so gemacht haben“. Lassen Sie uns gemeinsam Dinge hinterfragen.

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