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Crowdsourcing / Open Innovation

Eine sehr lesenswerte Studie des Institute of Electronic Business, ein An-Institut der Universität der Künste Berlin, hat insgesamt 32 Schlüsselfaktoren der Digitalen Transformation identifiziert und in ihren Auswirkungen beschrieben. In den vier großen Bereichen Technologie, Kommunikation, Gesellschaft & Politik sowie Wirtschaft & Arbeit sind diese Schlüsselfaktoren Innovationstreiber und gesellschaftspolitische Herausforderung zugleich. Heute stellen wir Ihnen den Schlüsselfaktor Crowdsourcing / Open Innovation und dessen Vorteile, aber auch dessen Schattenseiten vor. Crowdsourcing, das ist ein Phänomen aus dem Bereich Wirtschaft & Arbeit. In diesem Begriff stecken eigentlich zwei Worte, das Wort Crowd, englisch für (Menschen-) Menge und das Wort Outsourcing, also das Auslagern einer Dienstleistung an Dritte. Gemeint ist hier, dass die outgesourcte Dienstleistung nicht an Drittunternehmer vergeben wird, sondern von der Crowd erledigt werden soll.

Crowdsourcing – worum geht es dabei?

Der Rat der Internetweisen, ein Expertengremium, das am Entstehen der o.g. Studie maßgeblich mitbeteiligt war, erläutert den Begriff des Crowdsourcing wie folgt: „Der Wertschöpfungsprozess wird für Mitarbeiter, Konsumenten und andere Stakeholder geöffnet. Sie geben ihre Ideen an das Unternehmen weiter. So gestalten sie Innovationen mit oder optimieren durch die entstehende „Intelligenz der Masse“ Produkt- und Leistungsangebote oder Organisationsprozesse. Online-Services liefern die geeigneten Plattformen zum Ideenaustausch.“

Eine in 2016 von der Hans Böckler Stiftung herausgegebene Studie zum Thema „Crowd Worker in Deutschland“ liefert ebenfalls eine sehr eingängige Definition des infrage stehenden Prozesses: „Beim Crowdsourcing schlägt ein Crowdsourcer, der Unternehmung, Organisation, Gruppe oder Individuum sein kann, einer undefinierten Menge von potenziell Mitwirkenden (Crowdsourcees bzw. Crowd Worker) eine Aufgabe über einen offenen Aufruf vor. Diese Crowd Worker, die Individuen, formelle oder informelle Gruppen, Organisationen oder Unternehmen sein können, übernehmen die Bearbeitung der Aufgabe. Der folgende Interaktionsprozess erfolgt über IT-gestützte Crowdsourcing-Plattformen.“ (Quelle: https://www.boeckler.de/pdf/p_study_hbs_323.pdf, S. 15)

Die Schwarmintelligenz nutzen

Geistige Wertschöpfung aus dem Pool all derer, die sich berufen fühlen zum Nutzen aller, die davon profitieren möchten, das kennen wir von Wikipedia. Jeder kann dort seinen Beitrag leisten, damit diese gewaltige Online – Enzyklopädie immer weiter wachsen kann. Schwarmintelligenz, auch kollektive Intelligenz genannt, fußt auf einer dezentralen, nicht-hierarchisch organisierten Entscheidungsstruktur (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektive_Intelligenz). Gemeinsam immer mehr Wissen anhäufen, das allen zugutekommt. Dank der digitalen Transformation bieten nun digitale Plattformen den Nährboden für die sogenannten Crowdworker, Menschen also, die mit Crowdsourcing ihren Lebensunterhalt verdienen. Open Innovation im wahrsten Sinne des Wortes: im virtuellen Raum versuchen Unternehmen an Ideen mit Innovationspotenzial heranzukommen. Während es im eigenen Unternehmen häufig an Kreativität mangelt, liefern Crowdworker zu bestimmten Aufgabenstellungen nicht selten die perfekte Lösung. Auch Google hat dies bereits erkannt und dafür eigens eine App mit dem naheliegenden Namen Crowdsource entwickelt. Nutzer sollen dort kleine, von Google gestellte Aufgaben lösen, wie etwa Textübersetzungen oder Kontrolle von Bildbeschreibungen, um das Internet sprich: Google zu einem noch besseren Ort zu machen. Bezahlung erhalten sie hierfür nicht.

Selbstbestimmtes Arbeiten, aber um welchen Preis?

Crowdworker können von jedem Platz aus ihre Arbeit verrichten, Hauptsache sie sind mit dem Internet verbunden. Sie lieben den Gedanken, frei zu sein und ihre Arbeitszeit selbst bestimmen zu können, ebenso wie ihren Arbeitsort. Der Preis hierfür ist allerdings hoch, sie verdienen wenig, sind meist selbständig und folglich weder kranken- noch sozialversichert wie herkömmliche Arbeitnehmer, es gibt für sie keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, sie tragen das komplette Risiko ohne Absicherung durch Arbeitgeber. Das kritisiert u. a. auch ver.di und fordert neue Konzepte für den Umgang mit der digitalen Arbeitswelt von Morgen. Digitale Plattformen als „Arbeitgeber“ seien in der Verantwortung. Es gelte, die Sozialversicherung umzuwandeln in eine allgemeine Erwerbstätigenversicherung. (Quelle: https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++da0478c0-397a-11e7-889c-525400b665de).

Ausblick

Open Innovation, also die gezielte Öffnung von Innovationsprozessen unter Einbeziehung der Crowd, das ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Es ist ein Gewinn für die menschliche Gemeinschaft, wenn die kollektive Intelligenz noch sinnvoller genutzt wird wie z. B. um gemeinnützige Vorhaben zu unterstützen. Digitale Plattformen machen dies möglich. Durch sie entstehen aber auch neue Formen des Arbeitens wie das sogenannte Crowdworking. Die meist selbständig agierenden Crowdworker werden schlecht bezahlt, genießen kaum arbeitsrechtlichen Schutz und haben keine Lobby. Man spricht hier gerne von digitaler Sklaverei oder modernen Tagelöhnern. Es gilt, auch vonseiten der Politik für diese neuen Formen des Arbeitens gerüstet zu sein. Begriffe wie Selbständigkeit oder Scheinselbständigkeit müssen neu gefasst werden. Digitale Plattformen als „Arbeitgeber“ müssen Verantwortung für ihre Crowdworker übernehmen, damit sich für diese das Arbeiten wirklich lohnt und sie in Sachen Arbeitnehmerschutz nicht abgehängt werden. Für Unternehmen bietet das Crowdworking gute Ansätze: So könnten Teile der Beschäftigten aus den bislang erprobten Arbeitsstrukturen herausgelöst werden und ihr Wissen fachübergreifend bspw. via Intranet für unternehmensrelevante Themen wie bspw. Carsharing, Design- und Produktgestaltung oder autonomes Fahren einsetzen.

Die Chancen und Herausforderungen des Schlüsselfaktors Crowdsourcing / Open Innovation auf einen Blick:

Chancen       

Kein Unternehmen hat intern so eine hohe Problemlösungs- und Innovationskraft wie sie außerhalb vorhanden ist; durch digitale Plattformen ist es schließlich möglich, dieses weltweite Potenzial zumindest ansatzweise zu nutzen.

Herausforderungen

Unternehmen müssen sich die Frage stellen, ob und in welchem Ausmaß sie bereit sind, sich nach außen zu öffnen – und damit auch einen Teil ihrer Macht abzugeben. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Arbeitsplätze nur noch vorübergehend durch „Crowdworker“ besetzt werden.

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