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Menschen am Arbeiten

Anders arbeiten – tätig in der Crowd

Der Senat für Arbeit, Integration und Frauen wollte es genauer wissen und hat im Rahmen des Programms BerlinArbeit eine Expertise in Auftrag gegeben. Titel: ‚Faire Arbeit in der Crowd. Gestaltungsfelder guter Arbeitsbedingungen‘. Hier wird untersucht inwiefern die Digitale Transformation ganze Branchen umpflügt und neue Arbeitsmodelle erschafft – alles am Beispiel der Crowd.

Industrie 4.0, Clouds und eine Welt ohne Grenzen

Um in das Thema einzusteigen, macht es Sinn zunächst den Überbau des neuen Arbeitsmarkt-Diskurses kurz zu skizzieren.

Begriffe wie Digitale Transformation kennzeichnen eine neue Ära des Arbeitens – die sogenannte Industrie 4.0. In dieser wird scheinbar alles addiert: Technik und Mensch verbinden sich; innovative Kommunikationstechnologien verknüpfen Virtuelles und Reales – die Digitalisierung der industriellen Produktion hält Einzug.

Doch wie sieht so etwas konkret aus? Ein Beispiel ist das Arbeiten in der Cloud: Durch die Möglichkeit Daten in einer digitalen Wolke zu speichern und sie so in Echtzeit Menschen überall auf der Welt gesichert zugänglich zu machen, verändert sich auch die Art zu arbeiten. Ortsunabhängigkeit ist das Stichwort, aber auch zeitliche Flexibilität. Denn, Mitarbeiter in Europa können beispielsweise tagsüber an einem gemeinsamen Projekt mit Kollegen in Asien arbeiten, die dann in der Nacht übernehmen. So kann ein Projekt 24-Stunden am Stück vorangetrieben werden.

In diesem Kontext kommt auch die Crowd ins Spiel! Die Crowd, zu Deutsch ‚die Menge‘ bezeichnet zunächst einmal einfach nur eine Gruppe an Menschen. Zur Veranschaulichung stellen wir uns eine Gruppe selbstständiger Grafikdesigner vor, die ihre Dienste über eine Onlineplattform dem Markt anbietet, und auf die weltweit Arbeitgeber zugreifen können. Crowd und Arbeitgeber tauschen Informationen und Daten über die Cloud aus – grenzübergreifend, rund um die Uhr.

Was sagt die Expertise?

Die Expertise hat Berlin als Forschungsgegenstand auserkoren, da hier die höchste Start-up-Dichte Deutschlands zu verorten ist. Frisch gegründete Unternehmen sind noch frei in der Wahl ihrer Organisationsstruktur; nicht selten orientiert man sich an Vorbildern aus dem amerikanischen Silicon Valley. Aber: Start-ups verfügen auch oft über ein nur geringfügiges Budget und Not macht bekanntlich erfinderisch. Die Crowd als Dienstleister zur Umsetzung zu nutzen, liegt da nahe. Für das Unternehmen fallen so Kosten wie Miete, Sozialabgaben oder teures Equipment weg – besonders in der Anfangszeit kann viel Geld eingespart werden.

Auch für etablierte Unternehmen ist dieses Vorgehen ein lukratives Geschäft! Sie können auf Plattformen zurückgreifen, die Leistungen Dritter digital vermitteln. Diese Plattformen sind sogenannte Intermediäre, die Crowd und Crowdsourcer zusammenbringen.

Was erstmal attraktiv klingt, wird aber vielleicht auch einen Haken haben? Potenzielle Nachteile für Crowdworker sind beispielsweise eine finanzielle Unsicherheit, nicht vorhandene Arbeitsrechte für diese Arbeitsform oder fehlende Tariflöhne. Damit das Arbeitsmodell Crowdworking ein faires Unterfangen für alle Beteiligten wird, schafft die Expertise Aufmerksamkeit für das Thema.

Crowdworking – aber zu welchen Bedingungen?

Die Expertise kommt im Ergebnis zu folgenden Erkenntnissen:

Diversität: Crowdworking hat viele Gesichter! Neben einfachen Tätigkeiten, die weder zeitintensiv in der Umsetzung sind, noch großes Fachwissen bedürfen, kann Crowdworking auch anspruchsvolle IT-Projekte abdecken. Allgemeingültige Handlungsfelder zur Gestaltung von fairer Arbeit zu etablieren, wird problematisch werden.

Lohnmodelle: Eine Möglichkeit faire Löhne zu schaffen, kann beispielsweise die Anlehnung an die Struktur des Heimarbeitsgesetzes sein. Beim Gestalten von Löhnen sollten Unternehmen mit deutschem Sitz auch deutsches Recht zugrunde legen.

Sozialversicherung: Für Selbstständige kommt oft monatlich nicht ausreichend viel Geld zusammen, um die Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Umso mehr sich das Crowdsourcing etabliert, umso wichtiger ist daher die Schaffung sozialverträglicher Bedingungen für beide Seiten: Crowdworker und Crowdsourcer.

Transparenz: „Herkömmliche Interessenvertretungen“ sind im Kontext des Crowdworkings nicht absehbar. Damit eine Chance zum Austausch besteht, sollten die Plattformbetreiber selbst den Dialog ermöglichen. Für die Rechtsberatung steht aktuell schon der Dienst faircrowdwork.org der IG Metall zur Verfügung.

Wandel: Was heute noch eine clevere Crowdwork-Idee war, kann morgen schon durch eine kluge Software erledigt werden. Plattformbetreiber müssen den Markt gut sondieren, Business-Konzepte regelmäßige anpassen und sich an die rasante Entwicklung der digitalen Welt orientieren.

Chancen: Crowdworking integriert Menschen in den Arbeitsmarkt, denen zuvor Wege verschlossen geblieben sind – beispielsweise solche mit eingeschränkter Mobilität, die nun zuhause am Rechner arbeiten können. Und auch eine selbstbestimmte Work-Life-Balance ist eine Stärke des neuen Arbeitsmodells.

Selbstverständliche ist diese Expertise nicht weisungsgebend und kann der bundesweiten Politik lediglich als Impuls gelten. Wichtig an diesen Erkenntnissen ist der Blick auf ein sich bereits ganz deutlich abzeichnendes Resultat der Digitalisierung in Bezug auf den Arbeitsmarkt. So macht die Expertise aufmerksam auf Vorteile neuer Arbeitsmodelle, aber eben auch auf die Gefahren und betont die Wichtigkeit, rechtzeitig auf diese zu reagieren.

Die gesamte Expertise können Sie übrigens hier nachlesen!

Ja, die digitale Transformation ist eine große Herausforderung – insbesondere für Unternehmen und Organisationen, die „das schon immer so gemacht haben“. Lassen Sie uns gemeinsam Dinge hinterfragen.

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